Erlebnisbericht der Reise nach Mosambik

23.03.-09.04.2001
Vor etwa 10 Jahren begannen einige Lehrer sich für Entwicklungsarbeit zu Interessieren. Da Mosambik zu dieser Zeit zu einem der Ärmsten Länder der Welt zählte, beschlossen sie sich mit diesem Land näher zu beschäftigen. Anfangs wurden Sachspenden in das Land entsandt. Da sich diese als sehr Hilfreich erwiesen beschlossen die Lehrer den "Run For Help" einzuführen, der dazu dient Geld für Spenden zu sammeln. Diese Aktion wurde von Jahr zu Jahr größer und bot schon bald die Möglichkeit komplette Schulen in Mosambik mit zu finanzieren. Um sich genauere Eindrücke machen zu können und neue Projekte zu Planen wurden Reisen nach Mosambik nötig. Die Reisen wurden anfangs nur von 3 Lehrern durchgeführt, da die Infrastruktur es nicht zu ließ größere Gruppen aufzunehmen.
Im September 2000 war der Pater Vicente, ein Pfarrer aus Maputo im Unterricht des Erdkunde Leistungskurses, da fassten einige Schüler den Entschluss sich mit Mosambik näher zu beschäftigen.
Da der Vorschlag einer Studienreise nach Mosambik in dem Kurs keine Mehrheit fand planten einige Schüler, zusammen mit den Lehrern, eine kursübergreifende Reise um sich selber einen Eindruck von dem Land zu schaffen, daß man bisher nur aus dem Atlas kannte.
Diese Schüler waren Martin Linden, Katrin Fronzek, Rabea Gransberger, Dorothea Löhr, Nina Klüsing und David Fürle sowie Anne Doskotz.
Die Vorbereitungen für diese Reise begannen mit "intensivem" portugiesisch Unterricht, der einmal pro Woche, Nachmittags, von Frau Löhr unterrichtet wurde. Hier bekamen wir zum ersten Mal Kontakt mit der mosambikanischen Amtssprache. Weitere Vorbereitungen waren das Beschaffen von Gastgeschenken sowie das Kaufen gewisser Mittel die uns Schutz vor den berüchtigten Malaria-Moskitos geben sollten.
Am 23.3. begann die Reise. Unsere Erste Etappe war die Zugfahrt von Bremen zum Frankfurter Flughafen. Dort erwartete uns eine Maschine von Ethopian-Airlines, das ist ungefähr das selbe wie ein Meyer-Reisen Bus mit Flügeln. Das Flugzeug, insbesondere der Innenraum gab keinen Anlass zu irgendwelcher Hoffnung, das Flugzeug würde es schaffen. Der Sonnenaufgang über der Sahara in eineigen tausend Metern Höhe ließ diese Ängste jedoch schnell verblassen.
Erster Zwischenstopp war Addis Abbeba in Äthiopien. Von dort ging es weiter nach Johannesburg bis wir endlich in Maputo landeten. Die tropische feuchtwarme Luft war die erste Begrüßung Mosambiques, die uns schwer zu schaffen machte. Nach einem herzlichen Empfang des Bildungsministeriums, bekamen wir noch ein Seite Mosambiques kennen die uns, wie die Hitze die ganze Zeit begleiten würde, die Armut. Beim verladen unseres Gepäcks kamen mehre Kinder die um Geld bettelten.
Als wir in unserer Unterkunft ankamen waren wir positiv überrascht, denn die Wohnung übertraf unsere Erwartungen, die von Anfang an nicht sehr hochgesteckt waren. Diese Wohnung lag im Herzen Maputos an einer der Hauptverkehrsadern Maputos, somit hatten wir die Möglichkeit das Straßenleben aus unserer Wohnung mitzuerleben, wozu allerdings wenig Zeit blieb. Die Wohnung gehörte dem Bildungsministerium Maputos und wird sonst von Schülern/Studenten bewohnt die zur Zeit in der Stadt sind.
An Hand der Lage unserer Wohnung lässt sich auch die Stadtstruktur gut erklären. Maputo besteht zum einen aus der Zementstadt und zum anderen aus den Bairros. Die Zementstadt bildet die Innenstadt mit Häuser, meistens Hochhäusern, die aus "Zement" gebaut sind, hier wohnen die reichsten Mosambiques, dies ist jedoch nicht mit der Innenstadt eines westlichen Landes zu vergleichen sondern eher mit heruntergekommenen Gegenden wie Harlem/Queens oder Tenever. Die Bairros, der Name für die dortigen Slums bilden einen großen Gürtel um die Zementstadt, hier lebt der Großteil der Bevölkerung Maputos in kleinen selbstgebauten Hütten, die wenigsten sind aus Steinen gebaut, meist sind sie aus Schrott und Teilen der zentralen Mülldeponie zusammengesetzt.
Wir wohnten da schon besser, zwar nicht wie hier in Weyhe aber es ließ sich gut aushalten. Um unsere Umstände kurz zu beschreiben: fließend Wasser von 6.30 Uhr bis 7.30 Uhr, kein warmes Wasser, Matratze auf dem Boden diente als Bett (gemütlich), Zahnputzwasser musste desinfiziert werden, teilweise Ausfall des Stroms. Dies soll aber nicht heißen das es uns nicht gefallen hatt, wir freundeten uns sehr schnell mit den dortigen Gegebenheiten an.
Um nun endlich auf unsere Unternehmungen zu sprechen zu kommen, Den größten Teil der Zeit verbrachten wir mit dem Besichtigen "unserer" Schulprojekte und mit Diskussionen der dortigen Schüler und Lehrer, denn diese Reise sollte dazu dienen sich einen Überblick zu verschaffen, über die Situation der Schulen um somit weitere Projekt besser planen zu können und vorhandene zu verbessern.
Die Besichtigungen der Schulen waren sehr interessant, da wir hier die Möglichkeit hatten, sogar am Unterricht teilzunehmen. Wir wurden (immer !!!) so herzlich empfangen, wie es bei uns in Europa nicht üblich ist, es war uns teilweise sogar recht unangenehm so gut behütet zu sein weil man fast gedacht man würde uns für etwas besseres halten.
Uns wurde in allen Fällen die Schule ausführlichst gezeigt so dass wir uns einen Eindruck von der jeweiligen Schule machen konnten. Danach wurden wir dann mit der mosambiquanischen Küche in Kontakt gebracht. Jede Schule bereitete sich sehr viel Mühe uns mit Essen zu versorgen und so wurden teilweise ganze Buffets für uns errichtet bei denen wir dann, mit der Schulleitung und unseren Begleitern des Bildunsminesteriums zusammen gegessen haben. Dies klingt zwar nicht sehr danach als wäre Mosambique ein armes Land, jedoch bildet die Region Maputo auch in Bezug auf die Schulen die absolute Ausnahme für Mosambique, da die dortigen Schulen Projekte sind die durch ausländische Geldgeber finanziert worden sind. Die Situationen der Schulen in den restlichen Teilen Mosambiques ist damit nicht zu vergleichen.
Danach hatten wir die Möglichkeit auch am Unterricht teilzunehmen, von dem wir alle sehr überrascht waren. Der Matheunterricht war besonders beeindruckend, dieser könnte als Vorzeigemodell für Schüler sowie der Lehrer dienen. In einer Klasse von 50 Schülern war es still, und die Schüler meldeten sich nur zu Wort, wenn sie dazu aufgefordert wurden. Der Lehrer erklärte das Thema noch einmal, falls einige es nicht verstanden haben. Es wurde gerade die Bruchrechnung eingeführt, und ich kann mich erinnern, dass mein Mathelehrer dies nicht so anschaulich und gut verständlich erklärt hat. Wir waren also positiv überrascht und waren beeindruckt. Was noch zu erläutern wäre: auf den dortigen Schulbänken ließ es sich besser sitzen als auf unseren Stühlen. Hier sollte allerdings nochmals angemerkt werden, daß diese Schulen die absolute Ausnahme bilden, aber immerhin.
Nach dem Unterricht hatten wir die Möglichkeit mit den Schülern zu sprechen. Wir fragten sie zu nächst was sie denn über Deutschland wüssten, die erschütternde Antwort war:,, In Deutschland ist es kalt und es gibt Rassismus!" Das gab uns einiges zu denken und wir hätten nie gedacht, daß so über Deutschland gedacht wird. Wenn wir vorgestellt wurden, hieß es auch immer:,, Sie sind aus Deutschland, aber sie sind die Guten!"
Eine andere Aussage eines Schülers erschreckte uns noch mehr, man muss dazu sagen, dass sie wirklich erst gemeint war:,, Wenn es in Deutschland keine Schwarzen gibt, wer arbeitet denn dann?"
Neben den Schulbesuchen hatten wir auch anderes auf unserem Programm; zur kürzeren Erläuterung in Stichworten: Besuch des Kultusministers Mosambiques, Besuch des Bürgermeisters von Maputo, Teilnahme an einem Theaterstück im Theater Henning Manquells, Besichtigung des Bildungsministeriums, abenteuerliche, nächtliche Spaziergänge durch Maputos Hafenviertel, Erkundungen einsamer Trauminseln vor der Küste Mosambiques mit einem Boot, Staunen über E-Mail schreibende Nonnen in einem Kindergarten, Erforschung der afrikanischen Tier und Pflanzenwelt im Nationalpark, abendliche Reflektionen über das Geschehene mit anschließender Diskussion, Einkauf von Lebensmitteln auf dem Zentralmarkt von Maputo (sehr abenteuerlich), "Spaziergänge" durch die Slums um einen wahren Eindruck vom Leben der armen Bevölkerung zu bekommen, Pick up fahren auf der Ladefläche (unser alltägliches Transportmittel), eine Fahrt ins Paradies... und... und... und...
Diese Reise war für uns Schüler die wahrscheinlich beeidruckendste Reise unseres Lebens und einige der Schüler haben den Entschluss gefasst Mosambique noch einmal zu Besuchen, denn es ist eines der schönste Länder der Erde, sieht man von der Armut ab, und ist sicherlich mit keinem europäischem Land zu vergleichen.
Am meisten hat uns die Offenherzigkeit der Menschen und ihre Gastfreundschaft beeindruckt die wir bisher in dieser Weise nie kannten.
Die Studienreise war ein Erfolg und auch die Lehrer empfanden die Reise, in Bezug auf uns Mitreisende als erfolgreich und waren mit uns zufrieden, was nicht verschwiegen bleiben sollte.
David Fürle
Fotos der Reise sind in der Rubrik Fotos, 2001 zu sehen

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